28/09/2020

ALEXANDER TUCKER fabelfolk

 

ALEXANDER TUCKER third mouth
2012

Alexander Tucker wurde vor ein paar Jahren die Ehre zuteil, von den Indie-Diktatoren von “Pitchfork”
mit einem Totalverriss bedacht zu werden (“Portal” von 2008 bekam  2.0
von 10.0 Punkten). Ich hätte für dieses schwindelerregende
Psych-Folk-Meisterwerk eine glatte 9.3 vergeben.

Tucker ist so ein
psychedelischer Folker, der seine Inspiration aus allerlei Vorkommnissen
bezieht, die sich am Rande des Jenseitigem abspielen.Aus dem Comic
“Swamp Thing” zum Beispiel, wo sich aus pflanzlicher Materie ein
lebendiges Sumpfmenschdingens erhebt.

Auf den meist selbstgestalteten Covern seiner Platten sieht man
Alexander Tucker mal im groben, alles verbindenden Linolschnitt einen
Klumpen Waldboden betrachten, als würde er ihn mit einem fetten
Lichtstrahl beleben (so bei seiner Zusammenarbeit mit Daniel O’Sullivan als Grumblin Fur: “Furrier”), oder er portraitiert mal ein Fabelgetier (so wie bei “Portal”)

Dann
wieder, auf “Third Mouth” (2012), bedient er aufs
Schönste eines meiner Lieblingsgenres der Bildenden Künste – Tiere von
hinten darstellen – mit dem rückwärtigen Portrait eines Hasen. Übrigens auch wieder ein Beispiel der britischen “Green Language”.

Musikalisch hat Tucker ein beeindruckendes Händchen für die Verwebung
von Loops, Moogs, Folk und auch mal fernöstlichen Skalen. Dazu kommt
noch seine Stimme, die in dunklen Lagen ohne Probleme als
Brian-Eno-Impersonator durchgehen könnte. Wie im Rausch musste ich mir
daher im letzten Jahr so gut wie alles von seinem Gesamtwerk zulegen.

Mittlerweile hat Tuckers Musik einen festen Platz in meinem ganz
persönlichen Seltsam-Folk-Rock-Impro-Kanon erobert. Ich behaupte, wer
ein Faible für solch dunklen Folk-Kram hat, wer sich (wie ich) immer
noch vor dem Wicker Man fürchtet, der sollte sich Tuckers Musik einmal
ins Abspielmedium holen.

 
 

5 Gedanken zu “ALEXANDER TUCKER fabelfolk

  1. Hallo Werner,

    ich denke, dass DDW nicht so mein Ding ist (too much americana, auch wenn ich nicht verneinen kann, dass mir der eine oder andere Song (den ich mir angehört habe) eigentlich ganz, ganz toll ist, wie z.Bsp. The Sun never shines), aber Alexander Tucker dafür umso mehr. Speziell The Glass Axe hat es mir angetan. Der Rest vom neune Album auch und das Vorgängeralbum ist auch sehr schön. Die älteren habe ich noch nicht geschafft anzuhören. Da denkt man, man kennt schon alle möglichen Musiker und Bands dieses Genres, um dann alle paar Wochen eines besseren belehrt zu werden. Also, vielen Dank für diesen Tipp. Vielleicht etwas ungewöhnlich, aber dennoch möchte ich Dich fragen, ob Du die Vinylausgaben der letzten Tucker-Platten hast oder die CDs? Ich frage deshalb, weil ich mit Thrill Jockey Vinyl in letzter Zeit nicht sehr glücklich war. Und wenn ich bei einem Künstler mit einem Medium anfange, dann bleibe ich in der Regel auch dabei, also alles auf Vinyl oder alles auf CD.

    Viele Grüße

    Andreas

  2. Alles Vinyl. Und alles OK, mir fiel jedenfalls nichts negativ auf. Ich höre allerdings meist die mp3s, die als download dabei sind (Third Mouth, Dorwytch). Ich überprüfe das aber übernächste Woche. Vorher habe ich keine Zeit.

  3. Lieber Andreas,

    nun aber nach einigen Tagen der Internetlosigkeit der ultimative Vinylbeurteilungskommentar zum Alexander-Tucker-Vinyl (soweit in meinem Besitz): Alles bestens. Keinerlei Beanstandungen. Ich kann es empfehlen:

    "Third Mouth", "Dorwytch", "Portal" (180g), "Grumbling Fur – Furrier", "Grumbling Fur – Alice" (Latitudes), "Alexander Tucker & Decomposed Orchestra – Grey Onion" (Latitudes)

    Sorry für die späte Antwort.

    Liebe Grüße
    Werner

  4. Lieber Werner,

    vielen Dank für die aufopferungsvolle Arbeit. Ich tendiere natürlich zu Vinyl. Das muss aber noch warten, denn ich habe mir gerade zum x-ten Mal Fahey-Vinyl gekauft. 4 men with Beards haben die ersten sechs Alben als Box plus zusätzlich The Voice of the Turtle als Repro herausgebracht. Das erste Fahey-Album habe ich nun sage und schreibe fünfmal. Den Rest immerhin dreimal. Aber Fahey ist Gott, oder so. Ich kann nicht anders.

    Liebe Grüße

    Andreas

  5. Ui, war bestimmt nicht billig. Hätte ich aber auch gerne. Muss aber grad ein bisschen das Geld zusammenhalten für profanere Dinge.

    5x die gleiche Platte – Respekt! 🙂

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