28/11/2020

BOB DYLAN: bis zum hals in geschichte

Meine Dylan-Fan-Werdung habe ich irgendwo in den unendlichen Weiten des LÄRMPOLITIK-Blogs auch schon mal beschrieben. Hier nämlich. Seitdem hat meine Beschäftigung mit Zimmerman und seinen Verschränkungen mit der Kunstfigur Bob Dylan nicht nachgelassen. Daher kam die achte Folge seiner „Bootleg Series“ („Tell Tale Signs“) dieses Jahr gerade recht. Diesmal beschäftigt sie sich mit den Jahren 1989-2006. Und somit mit einer seiner besten Phasen überhaupt.

Wir hören Dylan, wie er bis zum Hals im American Songbook steckt (welches ja im Grunde seine Ur-Religion ist, auf die er alle anderen seiner Religionskonvertierungen übergestülpt hat, mal das Judentum, mal das Christentum) und wie er die inividuelle Bearbeitung desselben für sich als Autor beansprucht. Er scheint in dieser Phase zu merken, dass es seine einzige Rettung ist, nicht weiter nach Luft zu schnappen, sondern erst recht tief hinab zu tauchen. Das lässt ihn in Würde altern, weil er keiner Aktualität mehr hinterher rennt.

Auf der Do-CD ist einiges an Unveröffntlichtem zu finden, dazu Alternativversionen, Soundtrackbeiträge und auch Live-Aufnahmen (die aber durchaus auch weniger hätten sein können). Jedenfalls sind absolut großartige Songs dabei. Momentaner Lieblingssong: „’Cross The Green Mountain“, das Dylan für eine Doku schrieb („Gods and Generals“) und das zu jenen Geschichte und Generationen umspannenden Werken der einsamen Klassen gehört, wie z.B. „Misfits“ von Neil Young oder „He’s Simple, He’s Dump, He’s The Pilot“ von Grandaddy. Auch eine Live-Version von „High Water (For Charley Patton)“ ist auf dem Album zu finden, was mir erlaubt, gleich mal zu einem anderen Text von ZU-ZEITEN zurückzuspulen, nämlich denjenigen über den Schwerenöter Charley Patton.

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