28/09/2020

CAN mantras mooney mutationen

 CAN the lost tapes 2012

 
Can’s „The Lost Tapes“
– ein 3-CD-Box großer Extrakt aus einem gigantischen 50stündigen
Bandsalat aus vergessenen Exzess-Groovern, sorgfältig inszenierten
Raumklängen, Live-Aufnahmen, Soundtracks und anderem zum Teil
nachträglich zusammengefügten Klickerkram. Vielleicht nicht in jeder
Sekunde eine Offenbarung, enthält aber doch eine in dieser Menge und
Qualität nicht für möglich gehaltene Ergänzung des alten Can-Katalogs
mit bisher ungehörter Musik.

Can

Staunend lauscht der Hörer explosiven Rhythmustraktaten, die sich an
einer einzigen Phrase entlang hangeln, die der frühe Sänger der Band,
Malcolm Mooney, aus aktuellem Anlass auf irgendeiner Ausstellungsparty
des Studiobesitzers aufschnappte und bis zum beginnnenden Wahnsinn
wiederholte. Wie sich aus solchen Banalitäten Mantras ergeben, die dann plötzlich
musikalische Beziehungsgeflechte befeuern, zeigt, wie sehr der Can-Sound
ein Gruppensound war, selbst wenn das Basismaterial später nochmal
nachträglich bearbeitet werden sollte.

Bezeichnenderweise fiel ihre
Musik ab dem Moment in sich zusammen, als der technische Fortschritt den
Bandmitgliedern erlaubte, beliebig viele Tonspuren für sich alleine
bespielen zu können. Das zu editierenden und zu verklebende
Basismaterial entstand nicht mehr im zeitgleichen Gruppenprozess, mit
all seinen kleinen, essenziellen Interaktionen und Richtungsänderungen.
Kurz: Man hörte sich nicht mehr zu. Ab da konnte auch Holger Czukay, der
meistens für die Klebearbeiten zuständig war, offenbar kaum noch was
retten. Aus dieser späten Phase hat es nur ein winziges Rinnsal
brauchbaren Materials auf die Box geschafft.

2 Gedanken zu “CAN mantras mooney mutationen

  1. eine der zeitlosesten bands ever, meine unmaßgebliche meinung. die derzeit interessantesten fackelträger dürften oneida aus brookländ sein, schätze ich (tour demnächst).

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