21/09/2020

CD-Check Mai 2016

Andy
Shauf
The
Party“ (Anti Records )
Zuverlässig
bringt die kanadische Musik-Szene immer wieder höchst talentierte
Singer-Songwriter hervor. Auch Multi-Instrumentalist Andy Shauf ist
weit davon entfernt, 0815-Weltschmerz-Geschrammel abzuliefern. Fein
ist sein melodisches Songwriting, bei dem er vom Piano über
Synthesizer und Gitarre bis Schlagzeug und Klarinette alles selbst
eingespielt hat, nur das Cello stammt von einem Kollegen. Die Songs
auf seinem neuen Album klingen mal aufgeräumter, mal vertrackter,
der Gesang hat etwas leicht Beatleskes. Sie erzählen zehn
atmosphärische Minidramen über zehn Menschen während einer
Partynacht.
5
von 5
Mira,
Un Lobo!
Heart
Beats Slow“ (Tapete Records)
Klingt
so Krise? Der Soundtrack zum wirtschaftlichen Niedergang in
Südeuropa? Der Portugiese
Luis
F. de Sousa verlor Job und Halt. Nur die Beschäftigung mit seiner
Musik brachte Linderung, sie wurde sein musikalisches Tagebuch. Das
Album, das er mit Freunden seiner alten Band aufnahm, versammelt
Musik, deren elektronische Klangflächen sich bedrohlich auftürmen
oder hypnotisch kreisen. Passend dazu tragen die Songs Namen wie
„Tramador“, ein starkes Schmerzmittel, oder „Like Punching
Glass“. Musik von suggestiver Kraft hat „Mira, Un Lobo!“
(„Achtung, ein Wolf!“) geschaffen.
4
von 5
Imarhan
Imarhan“
(City Slang / Universal)
Noch
eine faszinierende Musikentdeckung jenseits der üblichen
europäischen und US-amerikanischen Pop-Pfade ist die algerische Band
Imarhan, die traditionelle Tuareg-Klänge mit
Gitarren-Rock-Elementen, Jazz und Funk mischt. „Da ist Hoffnung in
dem Groove!“, schreibt ein User auf Youtube unter das offizielle,
selbst betitelte Video. Und tatsächlich wirkt der Sound der fünf
Männer aus dem Süden des Landes treibend und kraftvoll, ohne
versponnenen Heile-Weltmusik-Touch, sondern heutig und zeitgemäß.
In England machte der Titel-Song bei der BBC gleich mal
Rotations-Karriere. Musik, die dem Zuhörer ohne Umschweife Beine
macht, Tanzbeine.
4
von 5
Big
Thief
Masterpiece”
(Saddle Creek Records)
Obwohl
es das Debütalbum der US-Band Big Thief ist, umweht den Sound etwas
angenehm Retrohaftes, auf eine gute Weise. Es ist ein
Rock-Psychedelic-Folk-Album, die Musik hat Struktur und Kraft, ohne
vordergründig pathetisch zu wirken. Sie kann druckvoll auftrumpfen,
aber sich auch mal zurücknehmen. Die Stimme von Sängerin Adrianne
Lenker, hoch und vibrierend, behauptet sich im Zusammenklang mit der
verzerrten Gitarre von Buck Meek, wenn er beispielsweise im Song
„Interstate“ ein düsteres Klanggewitter abfeuert. Bass und
starke Drums tun ihr Übriges. Big Thief zeigen: Man muss das Rad
nicht neu erfinden, wenn man es so stimmig ins Rollen bringen kann.
5
von 5
(bejblog)

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