CECIL TAYLOR anfänge angerissen

Zu Cecil Taylors „Conquistador!“ habe ich mich schon geäußert, ich fühlte mich atomisiert und angeregt – und besorgte mir „Unit Structures“ (1966) als Lp-Reissue, das andere Blue Note-Album von Taylor. Alan Silva beschrieb einmal, wie sie wochenlang dafür geübt hatten, nichts war Zufall, Taylor notierte die Musik. Und sowieso müsste man nur die Sleeve Notes lesen, dann wüsste man, wie Cecil Taylor arbeiten würde.

Ich besorgte mir dann die Do-CD-Ausgabe von „Nefertiti, The Beautiful One Has Come – Live at the Cafe Montmartre, 1962 auf John Fahey’s Label für in Jahrtausende alter verknorrter schwarzer Kultur verwurzelter Musik – Revenant – und war begeistert von dem hellen Ton-Wirbel, den Cecil Taylor, Jimmy Lyons (Altsax) und Sunny Murray (Drums) 1962 in einem kleinen Cafe in Kopenhagen 1962 losspielen. Vor Zuhörern, für die Jazz eigentlich eher eine Berieselung zum Getränk darstellt und die wahrscheinlich gänzlich unvorbereitet dem Tanz der Drei (ohne Bass!) lauschen (falls sie geblieben sind).

Gerade das fehlen des Basses gibt dem Sound auf „Nefertiti, The Beautiful One Has Come“ eine gleißende Note, was ganz merkwürdig mit dem etwas verstimmten Piano korrespondiert, welches Cecil Taylor zur Verfügung stand. Saloon-Musik des 23. Jahrhunderts.

Anfang 2018 lernte ich dann „Bemsha Swing“ von Taylors erstem Album „Jazz Advance“ (1956) kennen und schätzen. Ich besorgte mir daher vom fiesen, wahrscheinlich nicht autorisierten Verwertungslabel „Enlightenment“ die 5CD-Box „The Complete Collection 1956-1962 – Nine Original Albums“, was schon mal nicht stimmt mit den neun originalen Alben, denn es sind von zweien nur diejenigen Tracks enthalten, auf denen Cecil Taylor mitspielt. Aber egal, die Box mag zweifelhafter Herkunft sein, sie ist jedenfalls ein idealer Startpunkt, denn Taylor hat dort einige konventionelle Mitstreiter, die den Einstieg in seine voranpreschenden Innovationsspurts noch halbwegs abfedern. So kann man sich von dort aus relativ weich gebettet in sein Schaffen kuscheln, dann aufstehen, frühstücken und in die heftigeren Wirklichkeiten seiner unwägbaren Cluster einstiegen.

3 Kommentare

    1. Hallo Harry! Schön, dich zu lesen! Ich habe Cecil Taylor und Albert Ayler (und andere freie Jazz-Spielarten) erst vor kurzem so richtig für mich entdeckt, daher nimmt meine Beschäftigung damit grad einen größeren Raum auf Lärmpolitik ein. Ich bin durchaus auch aktueller unterwegs. Wird hier immer mal wieder Thema sein.

      1. Du hast mich sofort erkannt? Vermutlich wegen der Y- Bemerkung.

        btw: Hab letztes Jahr mein erstes, eigenes vinyl rausgebracht 😉 Willst du eins? Verkauft sich leider so gut wie gar nicht.

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