01/10/2020

Donald Fagen: Künstliche Fahrgeräusche

Steely Dan ist sicher besser, wertvoller, überraschender, tückischer als Fagen 1993 war. Aber wenn ich Steely Dan hören will, lege ich trotzdem „Kamakiriad“ rein. Ein paar Jahre ging es so, dass immer wenn Besuch kam und ich dazu abkommandiert wurde, die Hintergrundmusik auszusuchen, unweigerlich „Kamakiriad“ in die CD-Abspielmaschine schob. Sie erscheint mir immer noch perfekt dafür, denn sie kann im Hintergrund vertrackt vor sich hin knacken; man nimmt bei anregenden Gesprächen unterschwellig ihre Intelligenz und ihren Funk wahr, trotzdem ist sie höflich genug, sich nicht in Gespräche einzumischen – ausser man bittet sie darum. Vielleicht ist der Unterschied zu „Gaucho“ nur der, dass „Kamakiriad“ dessen großartig sterile Starre zu einem auf technisch allerhöchstem Niveau aufgepimpten Zukunfts-Oldtimer aufgemotzt hat (in Anlehnung an die Rahmengeschichte des Albums). Mit an sich idealem Strömungsverhalten, dem aber der Sinn für kleine verschwenderische Details angenehm in die Quere kommt: Chromverzierte Bläsersätze, ein vertrackt-straighter Beat und zwischendurch delektiert sich das Fahrpersonal an den zusätzlichen, künstlich hinzugefügten Fahrgeräuschen aus Klavier- und Keyboardtönen, die in das leise aber bestimmt klopfende Motorengeräusch getupft werden. Immer noch ein perfektes Fortbewegungsmittel.

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