28/11/2020

FURNITURE: boomt nicht mehr, bounced aber noch

Gerade nochmal die “When The Boom Was On”-EP von Furniture (1983) gehört, besteht sie fast vollständig den Zeittest, wiewohl tatsächlich unverkennbar 1980er Jahre. Aber Furniture haben deren mich Würgen machende Ingredienzen (Ekelsaxophon, Pappmachésynthieflächen) nicht oder nur sehr dezent eingesetzt. Stattdessen zieht sich Funkiness durch die Tracks. Auch der damals in der ersten 80er-Hälfte omnipräsente (Bar-)Jazz-Einfluss ist zu finden, jedoch sehe ich beim Hören von „They’re On Me“ keine pinken Dreiecke und schmecke auch keinen Prosecco. Stattdessen greifen Furniture in die Eingeweide der Nacht, wie sie sich ausserhalb der Schnöselbars im Licht insektenverdreckter Straßenbeleuchtung zeigt. Auch das nervöse Schlagzeug auf „Robert Nightman’s Story“ steht eher für ungesättigtes Leben statt für saturiertes Sackkraulen. „I Miss You“ ist ähnlich aufgebaut und instrumentiert wie „Shipbuilding“ von Robert Wyatt/Elvis Costello: Ein schöner Träger trauriger Gedanken.

Später in ihrer Karriere wurden Furniture mir dann meist etwas zu dünnsoundig, etwas zu wenig greifbar, etwas zerfahrener. Das kann aber auch an einer recht quäkigen Pressung einer Best-Of liegen, die Anfang der 90er rauskam (die EP klingt zehnmal besser). Die Best-Of ist neben “When The Boom Was On” auch das einzige, was ich von Furniture kenne. Nach meinem derzeitigen Kenntnisstand bleibe ich daher dabei: “When The Boom Was On” zeigt sie auf dem Punkt, den sie auf späteren Erzeugnissen wieder ein wenig verwischen. Wer die EP also irgendwo stehen sieht, sollte mal ein Ohr riskieren. Auch 2008 noch.


BILLIANT MINDS – THE FURNITURE STORY


JIM IRVING (Songwriter/ Sänger von Furniture) auf myspace

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