03/12/2020

HAINO/ O’ROURKE/ AMBARCHI tee für die erschöpften

KEIJI HAINO/ JIM O’ROURKE/ OREN AMBARCHI 
tea time for those determined to completely exhaust every bit of this body they’ve been given 
2015

Die Teezeit,
die uns Haino, O’Rourke und Ambarchi auf ihrem sechsten Kränzchen
gönnen, begleiten sie auf Seite 1 der LP mit gewohnt gekonntem
Krachgebäck an Hainos E-Gitarre, das diesmal sogar manchmal
Ähnlichkeit mit melodiösen Psych-Soli hat, freundlich und
schmackhaft ummantelt von O’Rourkes Bass und flambiert von Ambarchis
Drums. Zwischendurch kredenzt uns Haino zur Geschmacksintensivierung
eine schamanische Zeremonie mit bassigem Gewittergrollen.

Seite 2 beginnt mit einsamem
Haino-Japanisch (vielleicht “Noch etwas Tee?”), das sich
mit zarter Flöte abwechselt, die der Japan-Folker gerne mal
zwischendurch einstreut. Ein Bass-Brummen im Hintergrund kündigt
schon an, dass da noch mehr auf uns zu kommt. Haino tranciert sich
den ein oder anderen Schrei heraus, die Band steigert sich langsam
rein, bis plötzlich Hainos Silben verstummen. Stille. Stille. Ein
leises, langgezogenes Musikmotiv (Gitarre?) kommt auf uns zu, eine
E-Gitarre übernimmt dunkel und verzerrt, alles noch verhalten,
O’Rourke setzt einen Basspflock, Ambarchi schellt dezent im
Hintergrund. Langsam wirds lauter, Haino schreit kurz dazwischen und
schlägt die Saiten zu einem Fantasie-Powerakkord an. Aus dem
entwickeln sich schranzige Gitarrenverklüftungen, O’Rourke und
Ambarchi folgen und schon sind wir wieder kurz im Lilalärmeland.
Nach ein paar Minuten sackt das Land in sich zusammen wie eine kurz
aufgekochte Lava-Insel, Haino beschwört wieder irgendwas, dann
schließlich setzt er seine Jenseits-von-Crazy-Horse-Gitarre wieder
ein. O’Rourke und Ambarchi entwickeln einen primitiven, kraftvollen
Rhythmus drunter und das ganze Ding torkelt auf irgendwas zu, das –
man ahnt es irgendwie – die ganze Unternehmung abrupt zum Stehen
kommen lassen muss. Und so kommt es dann auch. Großartige
Platte. Weniger verfolkt wie Teil 5, ähnliche aber längere
Krach-Bietungen wie Teil 4, stellenweise das
Beyond-Neil-Young-Feeling von Teil 3 und Teil 2. Von den
Oberton-Effekten von Teil 1 ist hier (zum Glück) nichts enthalten.

2 Gedanken zu “HAINO/ O’ROURKE/ AMBARCHI tee für die erschöpften

  1. Two City Blues 2 (Brötzmann, O`Rourke, Haino)

    Wahrscheinlich hat die hier bis auf die personellen Überschneidungen nicht das geringste mit der Tea Time… (die ich noch nicht kenne) zu tun. Aber das ist schon ziemlich klasse wie die drei die gute alte Bluesmusik mit den Mitteln des Free Jazz auf liebevolle und brutale (geht das?) ziemlich zerlegen. Empehlung meinerseits! Weiß nicht ob`s am Alter liegt, aber mittlerweile brauche ich solche Platten (die einen fordern und verwirren, wie Du so schön schreibst) doch immer häufiger.
    Gruß Ornette

  2. Ja, ich brauch das auch immer öfter. Two City Blues 1+2 habe ich auf dem Schirm, sah ich letztens auch bei A-musik im Laden, konnte mich aber dann doch nicht aufraffen sie zu kaufen. Nun bin ich wieder zuhause, Köln ist 500 km weg und ich werde sie mir wohl doch noch bestellen.

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