24/09/2020

HEAD OF WANTASTIQUET: in den belgischen bergen


Hinter den Wantastikanern verbirgt sich nur eine einzelne Type, nämlich Paul Labrecque, ein Mitstreiter des von mir sehr geschätzten Weird-Acid-Musikerkollektivs Sunburned Hand Of The Man. Labrecque schichtet auf “Mortagne” eine glänzende Melange aus schnell gezupften Folk-Figuren (Banjo, auch Akustikgitarre, Laute?) und ausbremsenden Untergründen (Bogen zieht langsam über Saite, ihr wisst schon, verhalten wird auch mal eine E-Gitarre verzerrt, kennt ihr ja auch) auf.

Aufgenommen ausgerechnet in Belgien, nennt sich dieser Hybrid aus Altertumsfolk, Drone und dunkler Unschärfe wiederum ausgerechnet nach einem Berg (Wantastiquet). Das bringt gut die unerwarteten Geographien auf den Punkt, die diese Musik für mich beschreibt. Verlassene Orte, in denen Haselnusssträucher wurmige Schatten um Geweihe werfen, während der Mond zum Horizont gezogen wird. Eine Frau bringt frisches Wasser, wir fühlen unsere Tasche schwer mit Gold gefüllt und wähnen uns in sicherer Entfernung von Geistererscheinungen. Ein Banjospieler sitzt alleine mit seinen Ich-Abspaltungen im Gewitter und spielt immer wieder ein Lied, älter als die Edda.

Bin ich eigentlich demnächst reif für Ougenweide? Hat die Popmusik nach dem Dreißigjährigen Krieg stagniert? Es scheint so.

Ein Gedanke zu “HEAD OF WANTASTIQUET: in den belgischen bergen

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