21. Januar 2026

IGGY POP the endless ig

Ig On Top

Die Höhepunkte liegen für mich mehrheitlich in den Arbeiten der 1970er. Von den späteren Platten, von denen ich aber nicht alle kenne, haben es dann immer nur vereinzelt Tracks in die Liste s.u. geschafft.

Kill City

Zum Kill City-Album, produziert von James Williamson, drübergesungen von Iggy Pop, der für ein freies Wochenende die Entzugsklinik verlässt und eine erstaunlich taffe Gesangsleistung abliefert: Ich liebe darauf auch das extra-extrovertierte Saxophon von John ‚The Rookie‘ Harden. Zucker und Pfeffer in einem. Nicht nur ein Hauch von hedonistischer Glam-Attitüde. James Williamson war für Iggy Pop ein bisschen das, was Mick Ronson für Bowie während seiner Ziggy-Glam-Phase war: Ein Katalysator und Formgeber von Ideen. Kill City ist eine tolle ruffe Hard Rock-Glam-Platte. Aber vielleicht bin ich auch der Einzige, der Glam-Elemente in das Album hineininterpretiert.

Glam

Glam ist musikalisch nicht gut eingrenzbar, wobei ein Charakteristikum ist, dass härtere, direktere Rock-Spielarten auf eine Lust auf Rollenspiel und Provokation treffen.

Dass sich Iggy Pop von David Bowie produzieren und bei den Songs maßgeblich unterstützen ließ – einem DER Protagonisten des Glam Rock schlechthin, der mit Ziggy Stardust DIE Fantasiefigur des Glam überhaupt erfunden hat – zeigt schon deutlich, dass von dieser Richtung ausgehend bis in The Idiot und Lust For Life hinein navigiert wurde.

Glam war mehr als „peinliche“ Klamotten. Glam ist mit Camp verwandt. Die Lust am Verwischen von Geschlechtergrenzen, dem Spiel mit sexuellen Ambivalenzen und Provokationen. Auch das nichts Ungewöhnliches im Hause Osterberg.

Marc Bolan ist der andere Glam-Star, auf den Iggy Pop Bezug nimmt. T. Rex arbeitete ebenfalls mit Tony Visconti zusammen, wie eben auch Pop bei The Idiot und Lust For Life. Der Streichersound von „Hot Love“, der etwas Laszives und Erotisches und gleichzeitig etwas Bedrohliches hat, wird auf „Nightclubbing“ ziemlich direkt als Referenz aufgegriffen.

Glam, Rock

Harter Rock und Glam sind keine Gegensätze. Bowie pflegte als Ziggy durchaus härter zu rocken, als er es vorher tat. Ziggy, Glamfantasiefigur Nummer 1, posierte, in Sichtnähe der Gosse, an rußigen Backsteinmauern, die sich von der Vorkriegsfassade der Berliner Hansa Studios, wo ja Iggys Berlin-Alben teilweise entstanden, nicht groß unterschieden. Die Zeiten gegenüber der Glanzzeit von Glam waren jedoch zur Entstehungszeit von The Idiot, 1976, kälter und ungemütlicher geworden. Der Glam hatte ausgeglimmt. Und man kann die Veränderung der Zeiten besonders dadurch gut demonstrieren (ob beabsichtigt oder nicht), wenn man das Alte nimmt (Glam) und es auf aktuelle Umstände überträgt (innere und äußere Krisen), aber so, dass das Alte noch zu erkennen ist. So verstehe ich auch Bowies Soundentwurf zu The Idiot: Der Bass, mit seiner trockenen, kalten Macht; der schwere, abgedunkelte Rock, dem buchstäblich die Höhen genommen sind; die Stumpf- und Verdrogtheit. The Idiot klingt deswegen für mich viel interessanter als Lust For Life. Das lalalalaladumdumday von „Dum Dum Boys“ liegt mir näher als das Party-kompatible lalalalalalalala von „The Passenger“. Ich finde für The Idiot keinen besseren Begriff als gothic glam.

Gothic Glam?

Gothic glam ist ein Hilfsbegriff. Ich las mal vom letzten Album der Morrison-Doors, L.A. Woman, etwas in der Art, dass es ein frühes Album der american gothic wäre. Das fand ich als Begriff sehr passend. Irgendwie hat sich von dort aus das gothic in mich reingeschmuggelt. So aus der Richtung: Doors – L.A. – Elektra-Label – Staffelübergabe an die Stooges – Iggy – Bowie.

The Endless Sea

Vielleicht nicht der typische Iggy-Track, aber darum geht es ja auch nicht. Lust For Life, das Album, habe ich lange nicht gehört. In meiner DJ-Zeit von 1989-95 habe ich „Passenger“ und „Lust For Life“ mehrere hundert Male gespielt. Das reicht, um sie jetzt nicht mehr zu meinen Favoriten zu zählen. „Passenger“ war ein sicherer Floorfiller, aber ich fand den schon immer etwas zu schunkelig. Gemessen am schmutzigen gothic glam von The Idiot fällt Lust For Life für mich aktuell doch ziemlich ab.

20 Ig’s

1 The Endless Sea (New Values)
2 Nightclubbing (The Idiot)
3 Five Foot One (New Values)
4 Mass Production (The Idiot)
5 I Got Nothin’ (Kill City)
6 Dum Dum Boys (The Idiot)
7 Master Charge (Kill City)
8 New Values (New Values)
9 Sell Your Love (Kill City)
10 Beyond The Law (Kill City)
11 Sister Midnight (The Idiot)
12 Neighborhood Threat (Lust For Life)
13 Funtime (The Idiot)
14 Baby (The Idiot)
15 Angry Hills (Zombie Birdhouse)
16 Wild America (American Caesar)
17 Some Weird Sin (Lust For Life)
18 L.O.S.T. (Beat Em Up)
19 I’m Bored (New Values)
20 Sincerity (Party)