11/08/2020

JAHTARI: dröhnung, wo leben und fiepen ist

Nachdem Reggae-Authorität Steve Barker in seiner Dub-Kolumne im englischen WIRE-Magazin gleich in zwei Ausgaben hintereinander Veröffentlichungen des deutschen Reggae-Labels Jahtari gelobt hatte, war auch mein Interesse geweckt. Ein Dub-Label aus Leipzig – es versprach eine fremde und vertraute Welt. Ich klickte mich also durch die Jahtari-Site durch, las Theorien und Philosophien über Computer-Reggae, blätterte versonnen die Infos über die Digital-Riddim-Artisten, Amigasound-Adepten und Dub-Devoten durch, hörte zeitgleich die zahllosen Tracks, die zum freien Download zur Verfügung standen und war schwer begeistert über den Reichtum an Boooms, Emotions’n’ Humour, der mir massiv entgegendonnerte. Seitdem vergeht kaum ein Tag, an dem sich der Jahtari-Booom nicht unter das heisere Geräusch meines Opels mischt.

Die musikalischen Zutaten zahlreicher Jahtari-Projekte bauen auf vielen Aufzeichnungen vorhergegangener Scientisten, Königen, Prinzen, Verrückten Professoren und Hühnerkratzern auf, was dem Spaß keinen Abbruch tut, denn hier ist die Liebe zum (Dub-)Reggae am Werk, ohne jetzt Innovationspreise einheimsen zu müssen.

Auf der reich bepflanzten Plantage von Jahtari warten denn auch zuverlässige Sensimilla-Darreichungen auf den Wanderer der Echokammern. Es geht in den Raum aller Räume in schicken Astronautenanzügen. An der nächsten Planetenecke erwartet den so eingekleideten Bummler der Kosmen schon die Basisstation in Form eines riesigen Hanfblatts, und der Originalsound des Titanmondes macht beim Landeanflug endgültig klar, dass wo Leben und Fiepen existiert, auch immer Dröhnung ist. Mit tiefem Bassbrummen setzen wir auf die Oberfläche auf und begeben uns hernach in den Chipraum, wo wir uns erstmal ein paar japanische Actionfilme auf die Netzhaut laden. Solcherart vorbereitet, taumeln wir von einem großartigen Track in den nächsten. Abends dann schauen wir die Untergänge diverser Sonnen an und lassen uns wohlig erschöpft köstliche Süßigkeiten von Illyah & Limited Candy reichen.

Und als wären diese Beschreibungen nicht schon anregend genug, so lässt sich ZU-ZEITEN erstmals dazu hinreißen, aus den frei flottierenden Tracks auf der Jahtari-Site Stücker sieben auszuwählen und shamelessly zum kostenlosen Download anzubieten. Ich garantiere 28 Minuten Weltklasse-Dub, incl. Blue Vitriol, Disrupt, Blaze Dem – und meinen absoluten Lieblingen Illyah & Ltd. Candy, die sich wirklich vor keiner „Rhythm & Sound w/ Artist“-12″ verstecken müssen (da muss noch mehr folgen, bitte!). Ich hoffe, die Jahtari-Crew hat nichts dagegen (Stunden später erfuhr ich: hat sie nicht!), dass ich mich aus ihrem freien Downloadkatalog bediene, hier sind jedenfalls …

28 MINUTES FROM CANDY TO TITAN – a JAHTARI compilation – Compiled by ZU-ZEITEN

Trackliste:
01 Blue Vitriol – Submethane
02 Blue Vitriol – Cryovolcano
03 Illyah And Limited Candy – Fight The Formation
04 Illyah And Limited Candy – Poor Girl
05 Disrupt – Last Blade
06 Disrupt – The Brink Of Destruction
07 Blaze Dem – Dubness Of This Creation (7inch)

Noch viel mehr Tracks sind auf Jahtari zu finden. Eine Labelübersicht mit Tracks, die zum Teil nicht zum Download freigegeben sind, gibt es auch als CD zu kaufen. Unter anderem auch ein weiterer Track von Illyah & Ltd. Candy. Hörbeispiele sind vorhanden. Ein Besuch lohnt sich also in jedem Fall.

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