28/06/2022

JOHN MAYALL züge, die nicht rollen

John Mayall – Looking Back (Decca, Comp, 1969)

Knietief im britischen Blues-Revival Ende der 1960er steckend, entwirft Mayall auf dem Cover eine Western- und Outlaw-Romantik. Es gibt auch eine deutsche Pressung/Ausgabe davon, die mehr Tracks enthält und eine Doppel-LP ist. Gleiches Motiv, aber schlechterer Schriftzug. Gepresst in Nortorf umme Ecke.

Betrachtet man das Foto genauer, merkt man, dass alles steht, aber so getan wird, als wäre es in Bewegung: Der Zug im Hintergrund, wo man die Radspeichen klar im Stillstand erkennen kann; der Wagon vorne, wo John Mayall so tut, als würde er auf ihn draufspringen; Mayall selbst erstarrt in der vorgetäuschten Bewegung. Eigentlich ein gutes Bild für den So-tun-als-ob-Blues britischer Prägung zu der Zeit Ende der 1960er Jahre, der auf vergleichsweise hohem Lebensstandardniveau leidet und dessen Inszenierung genau deswegen unter anderem von John Lennon und Caetano Veloso aufs Korn genommen wurde.

Veloso hat das britische Blues-Revival aus nächster Nähe beobachten können, strandete er doch Ende der 1960er Jahre als von der brasilianischen Diktatur Verfolgter in London. Ihm wären ziemlich sicher anders gelagerte existenzielle Gründe eingefallen, den Blues zu kriegen, als You Don’t Love Me oder I Can’t Quit You Baby.

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