23/09/2020

JÜRGEN MÜLLER institut für akustische meereskunde

JÜRGEN MÜLLER science of the sea 
(1982, wvö 2011)

Student am Institut für Meereskunde in Kiel leiht sich Synthesizer, macht ein paar wassertaugliche Soundtracks zu seinem Studium und verschenkt eine Winzauflage davon Anfang der 1980er Jahre als LP an Kollegen und Verwandte. Oder auch nicht und alles ist nur ein Fake (wofür einiges spricht). Auf meinen Reisen in die unergründliche Welt von Kiels Gebrauchtplatten-Korallenriffs ist mir jedenfalls noch nie ein Exemplar von “Science Of The Sea” in die Flossen geschwommen.

Ob Fake oder nicht, es erwartet den Forschenden eine schöne aquatische Reise ins Reich der analog-elektronisch generierten Meeresanalogien. Es wird recht viel geblubbert, was ich an Unterwasser-Soundtracks immer merkwürdig finde, weil der einzige, der unter Wasser blubbert, der Taucher ist. Angestammte Bewohner des Meeres blubbern nämlich nicht, auch wenn Fische öfters mal so dargestellt werden, als würden Luftblasen aus ihrem Maul aufsteigen. Selbst Wale blubbern selten, denn sie entledigen sich der Ausatemluft ja außerhalb des Wassers. Also ist die Unterwasserwelt praktisch blubberfrei. Trotzdem ist die faszinierend andersartige Fremdheit des Lebensraums schön eingefangen. Und ein bisschen von dieser Fremdheit schwingt auch im Menschen mit, denn wir sind ja nach wie vor aquatische Lebewesen, nur schleppen wir unser Wasser eben einfach ständig mit uns mit.

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