24/09/2020

KEITH EMERSON attack

Zwei Tracks haben mich an die 20-Minuten-Grenze herangeführt: Tarotplane von Beefheart und die Tarkus-Suite von Emerson, Lake & Palmer. Tarotplane habe ich nie abgeschworen, Beefheart war kompatibel mit dem Bildersturm von Punk und seinen Folgen, während Emerson, Lake & Palmer leicht als Feind auserkoren war, mit den Instrumentalschlachten, den Suiten und dem Rockstar-Giganto-Gehabe. Nachdem ich vor ein paar Jahren noch eine Schmähschrift zu Tarkus auf meinem Blog veröffentlichte, lernte ich das Album dann aber doch wieder schätzen. Nicht zuletzt wegen Emersons Macho-Keyboard, das mir lyrisch und perkussiv zugleich vorkam, mit bestimmender Hand gespielt, bisweilen aggressiv und sehr überlegt auf ein Ziel zutreibend. Gute Platte. Wieder. 


In meiner Wahrnehmung wollten Emerson und seine beiden Mitstreiter in jener Zeit das, was alle guten, progressiv orientierten Musiker ausgezeichnet hat: Sie wollten etwas zu Gehör bringen, was noch niemand zuvor zu Gehör gebracht hat. Und wenn dafür eben ewig lange Titel, brutale Synthesizer-Bomben, schwindelige Schnörkel und Maschinenwesen erfunden werden mussten, dann musste es eben so sein. Insofern was das alles in den interessantesten Momenten gar nicht so weit weg von Punk und dessen folgender Experimentierwut. Es ist furchtbar, wenn ein Mensch stirbt, indem er sich (vermutlich willentlich) ein Stück Metall in den Kopf jagt, ich hoffe aber, Keith Emerson ist an einem Ort angekommen, den er mit dem ein oder anderen brutalen Keyboardschlag ordentlich durchzurütteln imstande ist.

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