24/09/2020

Musikforen heimlich belauscht. Heute: Little Feat

wahr: dieser thread widmet sich little feat, einer der besten bands, die anfang der 1970er jahre ihr langhaariges haupt erhob. ich bin voreingenommen gewesen, weil little feat ab ca. 1975 furchtbaren fusion-rock fabrizierten, aber die ersten drei platten sind hervorragende gegenargumente gegen mein eigenes vorurteil, welches besagt, dass man so schlecht wie die stones spielen muss, um so gut zu sein, wie die stones anfang der siebziger waren. stimmt nicht, man kann fachlich ausgezeichneter musiker sein und trotzdem die stones jener zeit (das muss man ja immer betonen, damit hier niemand denkt, ich finde auch nur einen ton von denen nach 1980 gut) an die wand drücken. ach, mich will hier ja doch niemand verstehen. *heul* _werner_ : lustig. die habe ich nämlich auch gerade für mich entdeckt. ich darf dir also ein taschentuch reichen? wahr: darfst du, _werner_, darfst du. *schneuz* werner: hallo in die runde. was ist denn euer liebster song von little feat? wahr: eindeutig willin’. vielleicht der schönste refrain, denn zu hören ich je die ehre hatte. so einfach und doch so kunstvoll:
and i’ve been from tucson to tucumcari/ from tehachapi to tonopah/ driven every kind of rig that’s ever been made/ driven the back roads so i wouldn’t get weighted/ and if you give me (wundervolle pause zum kurz durchatmen) … weed …. white …. and wine/ and you show me a sign/ i’ll be willin’/ to be movin’
wer schafft es, den refrain fehlerfrei bis zum ‘movin’ zu ende zu singen? es klingt so einfach und ist doch so schwierig. die melodie erzählt eine geschichte neben den worten. unglaublich gut. _werner_: easy to slip. so muss ein album loslegen. treibend, kleinteilig, voller ideen und wendungen, trotzdem nach vorne. gott, was für eine gute band die waren! heiner geißler: das klingt das klingt zum verrücktwerden interessant. wär das was für mich? wahr: nein, heiner, für dich ist es zu amoralisch und zerstörerisch. little feat in der post-lowell-george-phase wären was für dich. deren integre bedeutungslosigkeit könntest du dann mit neutestamentarischen bibelsprüchen füllen. hier im thread soll es aber um die frühen little feat und um lowell george gehen. der gute spaß: gut, dass das mal jemand sagt. _werner_: lowell george ist ein guter souler. „two trains“ beweist es. der gute spaß: willkommen im forum der wandernden büsche. meinst du jetzt die version auf dixie chicken oder die auf Thanks I’ll Eat It Here? werner: ich finde beide gut. wahr: ich finde die version auf dixie chicken besser. wobei ich betonen möchte, dass besonders auf thanks ‚I’’ll east it here’ lowell george großartige gesangsleistungen abliefert. er hat sich ja dort selbst und andere gecovert, weil es ihm gesundheitlich so schlecht ging, dass er nur zwei oder drei neue songs schreiben konnte. dafür singt er unglaublich gut. crocus: ist das van dyke parks, der mit co-autor “V. Parks” gemeint ist? werner: denke schon. im booklet von thanks wird ihm ja auch gedankt. crocus: ihr beste leisung haben little feat eigentlich als studiomusiker für john cales “paris 1919” abgeliefert. wahr: ja, dachte ich auch, bis ich eben jene ersten drei lps von little feat entdeckte. der gute spaß: nicht vergessen, dass zwei drittel von little feat auch auf „discover america“ von van dyke parks mitmachten. nämlich george und drummer hayward. _werner_: womit wir bei einem weiteren höhepunkt von little feat wären: sailin’ shoes, das ja auch auf discover america gecovert wurde. wahr: echt? die haben bei DiscoverAmerica mitgespielt? das wusste ich gar nicht! fantastisches album, besser noch als paris 1919. vorher haben die mitglieder von little feat bei zappa gespielt, der ihnen zu einer eigenen karriere riet. werner: da gibt es ja auch verschiedene versionen von, wie dieser „ratschlag“ zappas ablief, hihi. werner: wie stehts denn eigentlich mit der dritten von little feat, dixie chicken? wahr: finde ich nicht ganz so gut wie die ersten beiden, aber sie hat einige momente erhaben schlaffer funkiness. 1973 war ein gutes jahr für diesen gesättigten groove. z.b. fool yourself (das ja dann später von a tribe called quest für „bonita applebum“ gesamplet wurde): hinein ins herz des mainstreams, darüber wird noch bei anthony moore zu schreiben sein, falls ich je mein review von „flying doesnt help“ fertig bekommen sollte … der gute spaß: anthony moore? kenne ich nicht. wahr: tut hier auch nichts zur sache. ich kam halt drauf, weil sowohl little feat (spielten bei zappa vorher) als auch anthony moore (spielte bei slapp happy vorher) aus dem prog/avantgardekontext heraus den mainstream in angriff nahmen. ansonsten ist das musikalisch weit voneinander enfernt. crocus: manchmal klingt lowells slide wie eine mariachi trompete (fat man in the bathtub) _werner_: es ist echt traurig, dass lowell so früh starb. gegen ende sank sein songschreiber-output gen null. wahr: wenn er sich dann aber aufraffen konnte, gelangen ihm immer noch schöne songs. _werner_: seine letzten beiden hiessen ‚I’ve got 20 million things to do’ und ‚heartache’. damit ist alles gesagt. der gute spaß: überhaupt die texte? was ist mit den texten? wahr: ich bin noch nicht so weit. ich höre noch nicht so auf die texte. _werner_: solltest du aber. wahr: ja, sollte ich. das, was ich so aufschnappe, ist gute bis obskure american staubfresser-lyric. und natürlich der wundervolle refrain von willin. werner: meint ihr nicht, wir werden mit dieser diskussion die jüngeren mitbürger langweilen? der gute spaß: ach, was solls. hier ist der präriehund begraben. da kann ein wenig fachsimpelei über eine frische band wie little feat keinen mehr verschrecken. legoland + wahr: endlich mal was los hier!

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