19/09/2020

OREN AMBARCHI teil 1 – unruhe-ambient

OREN AMBARCHI audience of one
2012

Über die Haino/O’Rourke/Ambarchi-Schiene kam ich zu Oren Ambarchi,
dem australischen Multinstrumentalisten, der Anfang der Nuller-Jahre
ganze Alben mit freundlichem, niederfrequentem Brummen aus dem Moog-Bass
füllte, später dann zum Teilzeitmitglied der Dröhnmetaller SunnO))) um
Stephen O’Malley wurde, und der dieses Jahr in wechselnden
Kollaborationen ungefähr 6 bis 10 Alben herausbrachte, vielleicht auch
11 oder 12. Jedenfalls etwas zuviel Output für mich, um hinterher zu
kommen.

Zwei weitere Arbeiten neben Ambarchis Zusammenarbeit mit Haino und
O’Rourke bekam ich aber mit – und beide zählen ebenfalls zum Besten, was
mir im letzten Jahr um die Ohren geflogen ist:

Audience Of One
ist davon die ruhigere Angelegenheit (die andere Angelegenheit wird im zweiten Teil behandelt). Sie lässt sich anfangs leicht
verkosten mit „Salt“, einem zarten Songgebilde, auf dem Ambarchi wieder
auf seine niederfrequenten Töne zurückgreift und dazu sehr sanft singt und summt. Man merkt ihm an solchen Stellen an, dass er neben
beinhartem Lärm auch ein Fan von Solo-Werken übertalentierter
Pop-Multiinstrumentalisten wie Lindsey Buckingham und Paul McCartney ist
und gerne mal im heimischen Melbourne vor WIRE-Journalisten
entsprechende Platten aus der Sammlung zupft und auf dem Boden verteilt.

Kernstück von „Audience Of One“ ist „Knots“, ein 33-minütiger
ambient-artiger Unruhestifter, der sich langsam und bedrohlich aufbaut,
sich mit Sound aufsaugt und ausdehnt und ausdehnt. Immer wieder zuckt
Blitz und Donner in das untrennbare, angespannte Gebilde aus Gitarren,
Autoharp, Bratsche, Cello, Stimme, Waldhorn und untergründiger
Perkussion. Nach 27 Minuten etwa kommt „Knots“ etwas zur Ruhe, die
Anspannung bleibt und wird immer wieder durch elektronische Entladungen
durchzogen. Als wäre Blitz und Donner die Dub-Version eines langsam
abziehenden bewölkten Tages. Ein Meisterwerk, auf einer Stufe mit
ähnlich aufgetürmtem Unruhe-Ambient wie Animal Collectives „Infant
Dressing Table“ oder Köhns „Nigewöhne“.

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