01/10/2020

Residents: Lost in Konzeptgeössel

Tweedles! by ResidentsLetztens saß ich bräsig im Ersatz-Ohrensessel vor dem Ersatz-Kamin und legte einer Eingebung folgend „Duck Stab/Buster & Glen“ der Residents auf den Plattenteller. Erst da wurde mir bewusst, dass „Ralph Records“ ein phonetisches Anagramm von „Rough Records“ ist, was den einzigartigen, ungeglätteten Charme ihres im Bereich der Aufzeichnung und multimedialen Verschränkung forschenden Frühwerkes bis Ende der Siebziger Jahre gut zusammenfasst. Ebenfalls bewusst wurde mir, dass „Constantinople“ 1978 der beste Song seit, sag ich mal, dem Beatles-Split war. Das Residents-Konzept der Realitätsverfremdung und ihrer Neuzusammensetzung wurde jedoch fade, als sie begannen, sich banale Geschichten über „Mole People“ auszudenken und überhaupt krude Gesamtkonzepte im mittlerweile recht vorhersehbaren Komische-Geräusche-Sound zu präsentieren. Ab und an gelangen ihnen noch gute Momente, nämlich dann, wenn sie sich wieder realen Mythen der westlichen Kultur zuwandten, wie mit ihrer „American Composer“-Serie. Auf „Tweedles!“ zieht es den nach wie vor aktiven, anonymen San Franciscoer Masken-Club nach Osteuropa. Die Residents-typische Märchenonkelstimme erzählt Residents-Impressionen aus dem rumänischen Arbeitsurlaub im Studio eines Residentsfans, der die Truppe zu sich eingeladen hat. Aber selbst das Bukarester Filmorchester, das bei einigen Tracks aushilft, rettet die Tracks nicht vor ihrer Belanglosigkeit: Die Residents klingen auf „Tweedles!“ wie in einem langweiligen, überambitionierten Hörspiel. Natürlich gibt es auch ein Konzept, das sich um eine Geschichte über sexuelle Zwänge kreisen soll. Einzelheiten sind einer „Deluxe-Digipack-Version in Buchform“ (Promo-Text) zu entnehmen, die mir aber nicht vorlag und die mich wohl auch kaum über den ereignisarmen Muzak der heutigen Residents-Musik zwischen vorhersehbaren Synthiesounds, Kinderliedmelodien und harmlosen Schrägheiten hätte hinwegtrösten können.

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