21. Januar 2026

RIP IT UP AND START AGAIN

Kein einziges Buch habe ich so oft im Leben in den Händen gehalten wie Rip It Up And Start Again. Seit vielen Jahren liegt es nämlich auf meinem Fensterbrett und dient mir als Keil und Bremsblock, damit das Fenster beim Lüften nicht zufällt. Quasi täglich ist es den Unbilden meines Alltags ausgesetzt. Mir scheint das passend zum Thema. Nutze es, mach’s kaputt, fang von vorne an. Und so sieht das Buch dann eben auch aus. Ein Schutzumschlag soll schützen, nicht selber in Schutz genommen werden. So wie Plattencover, denen man das Leben ansehen soll und die nicht in zusätzlichen Plastikhüllen zu Tode geschützt werden sollten. So ist jedenfalls Rip It Up And Start Again schon viele hundert Male über das staubige Fensterbrett geschoben worden, direkter Sonne ausgesetzt, auch mal Regen und Schnee (falls der Wind ihn reinwehen sollte, und der weht hier eigentlich immer).

Ab und an blättere ich drin, bewundere die aufwändige Recherchearbeit und wundere mich, wie profan und desillusionierend doch einiges im Nachhinein wirkt, was ich damals für eine Revolution hielt: „Johns (Lydon) Text (zu ‚Poptones‘) war atmosphärisch so dicht, was zum Teil daran lag, dass wir in Manor aufgenommen haben und in der Nähe des Studios durch den Wald gefahren sind.“ (Jah Wobble) Und ich dachte, es lag am Leben selbst und nicht am Wald! Ha! Das aktuelle Lesezeichen – keine Ahnung, wann ich es dort hineingelegt habe – liegt bei den Contortions, die Stelle, wo James Chance seine Liebe zu Glätte und Kommerzialität entdeckt. Habe ich mir heimlich den klug von Anya Phillips entworfenen Fetzen-Bikini von Buy angesehen?