24/11/2020

The Clean – urplötzlich auf unverdächtigem Datenträger materialisiert!

Mysterium meines alten Psion Revo Organizers: Seit einiger Zeit schreibe ich meine Notizen, die ich auf meinen Autotouren mache, in eine Datei mit dem seltsamen Namen “AAA Auszeit”. Warum, wieso, weshalb? Nur vage ahne ich es.
Egal, jedenfalls versteckte sich auf einer Daten-CD, die ich zufällig in meinem Wagen fand und die den schlichten Namen „Foto“ trägt, eine von mir verdrängte Doppel-CD von The Clean aus Neuseeland, die es vielleicht ohne diesen geheimnisvollen Zufall nicht mehr an die Oberfläche meiner Wahrnehmung geschafft hätte. Nun, die Band hätte meine Verdrängung sicher überlebt, würde sie noch leben. Bekannt wurden The Clean Mitte bis Ende der Achtziger Jahre durch hibbelige Geschwindigkeitstracks, wie sie die Velvet Underground vielleicht gespielt hätten, wären sie nicht in ihrem New Yorker Kunst- und Literatur-Kontext dazu gezwungen gewesen, das Hibbelige durch das Schwierige zu ersetzen. Tatsächlich ist „Point That Thing Somewhere Else“ eines der treibendsten (und coolsten) Stücke, das im weiten Feld von Punk-initiierter Psychedelik je aufgenommen wurde. Es gibt noch ungefähr zwei Dutzend andere herausragende Tracks auf der (chronologisch angeordneten) Anthologie, die mal mehr mal weniger die Rasselbande herauskehren, ohne allerdings ganz auf gekonnt eingesetzte Verorgelungen zu verzichten. Auf der zweiten CD, im fortgeschrittenen Bandalter sozusagen, entwickelten sich The Clean etwas weg vom schnellen Independent-Gerocke. Man räumte die Songs auf und fegte dabei die Tracks manchmal ein wenig zu besenrein. Der elektrisch verstärkte Krach wurde entzerrt und runtergedimmt. Die besten Songs dieser Phase gehen fast als frühe Pink Floyd durch. Das Hibbelige verschnauft in experimentelleren Dreiminütern, sanfteren Entwürfen nicht mehr ganz so schwindeliger Bonbon-Psychedelik – und in mit deutschem Fantasieakzent gesungenen Seltsamkeiten wie einer Hommage an Ludwig, König von Bayern, incl. Schwulsein, Wagner, Schlösser, Walt Disney und Ertrinken. Seltsam? Sehr seltsam. Das ist so Syd Barrett, wie Syd Barrett auf Demoaufnahmen zu den Demoaufnahmen zu den Demoaufnahmen halt Syd Barrett gewesen sein könnte. Lachen ohne Madcap.

2 Gedanken zu “The Clean – urplötzlich auf unverdächtigem Datenträger materialisiert!

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    Take care!

    Kevin

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