27/11/2020

YUSUF SAHILLI & BAND eigen und eigenwillig gut

Yusuf
Sahilli & Band bereiteten im Prinz Willy einen feinen Abend
Kiel.
Solche Abende wünscht man sich: In die entspannte Atmosphäre des
Prinz Willy eintauchen und nur auf Armeslänge entfernt eine Band,
die sich als echte Entdeckung entpuppt. Yusuf Sahilli und seine
beiden Mitmusiker sind zwar erst auf ihrer ersten gemeinsamen Tour
unterwegs, wie der sympathisch offen wirkende Sahilli erzählt, doch
die dicht gewebten Songs des Masterminds, der sehr beeindruckend
Gitarre spielt, dazu noch Klavier und Mundharmonika (die Pedal Steel
passte nicht mehr ins Auto) und der mit ausdrucksstarker, leicht
kratziger Stimme singt, überzeugen auch jetzt schon mit ihrer
Vielschichtigkeit und Frische. Vielleicht auch deshalb, weil der
Mittzwanziger Berliner Yusuf, der arabische und türkische Wurzeln
hat, „eigentlich schon immer eigene Stücke schreibt“.
Wie
das mit straighter Marschtrommel eingeleitete „Hold On“ von der
EP „Split Screen Reality“, das mit sehr melodischer Gitarre und
einer eingängigen Hookline gefangen nimmt. Die beiden Kollegen,
Martin Krümmling an den abwechslungsreich bedienten Drums und Damian
Giambazi am treibenden Bass, steuern einen feinen Background-Gesang
zur Tenorstimme Sahillis bei, dessen Gesangsstil eigenwillig und
immer etwas widerständig phrasiert. Auch wenn sie nur zu dritt auf
der kleinen Bühne stehen, klingt der Sound voll und warm. Besonders
schön im Song „Wayfarer“, in den Yusuf Sahilli, der es mit jedem
gehypten jungen Singer-Songwriter aus Kanada oder den USA aufnehmen
kann, Anklänge von arabischen Skalen in sein oft effektvoll
verzerrtes Gitarrenspiel und auch in seinen Gesang einfließen lässt. 
Das wirkt kein bisschen weltmusikalisch aufgesetzt, sondern
vollkommen organisch, als Stilmittel eben genau dieses Musikers. So
wie er Folk-, Rock- und Blues-Elemente aufgreift. Die
Indie-Rock-Attitüde, die ebenfalls im Sound steckt, kippt nie ins
Pathetische, sondern wird angenehm geerdet. Vor allem, da in fast
jedem der Songs Brüche angelegt sind, die sie originell und
überraschend machen. Zwei EPs sind bereits erschienen, die Songs
gibt es alle live zu hören, ein Album mit neuen Stücken ist in
Vorbereitung, auch davon wird einiges gespielt. In den Lyrics geht es
ums Durchhalten, ums Unterwegssein und darum, dass es Zeiten der
Liebe und Zeiten der Trauer gibt. In Kiel sei ihr bisher
erfolgreichster Abend der Tour, erzählt Yusuf Sahilli lächelnd,
Hannover und Hamburg liefen nicht so gut. Tja, Hannover und Hamburg,
Pech gehabt… (bejblog)

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