THE ROLLING STONES emotional rescue | Track-by-Track zum 40sten

THE ROLLING STONES – emotional rescue (1980) Bewertung: ***** gut | *nicht so gut 1. Dance ****Mit “Black And Blue”, “Some Girls” und “Emotional Rescue” drei Platten in Folge mit einem Disco/Funk-Stück eröffnen – nicht schlecht für eine Band, der als Kernkompetenz immer Rhythm & Blues und Rock nachgesagt wird! Was auf „Hot Stuff“ noch als ungelenker Funk-Versuch scheiterte und auf „Miss You“ dann zu einer Art selbstreflektierendem Disco-Blues wurde, entwickelte sich auf „Dance“ schließlich tatsächlich zu einem Disco-Stück, das offensichtlich allen Beteiligten großen Spaß gemacht hat. Im Prinzip wird hier schon mitgeteilt, dass es den Stones auf „Emotional Rescue“ an nichts wirklich fehlt, niemand wird vermisst, Sorgen werden weggespielt und kommen nur noch selten mal an die Oberfläche zurück. Man hatte wieder Freude am Leben und an der Stellung der Band im Popkultur-Kosmos, nachdem man sich auf „Some Girls“ durch einen wütenden – auch schmerzlichen – Prozess hindurch neu …

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HALF JAPANESE linolschnitte

Half Japanese ‎– Volume Two: 1987 – 1989 (Fire Rec., 3-LP-Box, 2015) Drei Hauptwerke von Half Japanese – Music To Strip By, Charmed Life, The Band That Would Be King – in der vor ein paar Jahren veröffentlichten Retrospektive von Fire Records. Jad Fair hat die Boxen-Schuber, in denen immer jeweils drei Alben zusammengefasst werden, mit seinen charakteristischen Kunstwerken im Linolschnitt-Style versehen, die sich wie die Themen von Half Japanese vorwiegend um Liebe, Monster, Liebe, SciFi und Liebe drehen. Hier mal eine Variante, in der Fortbewegungsmittel eine Rolle spielen. FavorisierenLöschen

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MARTIN SIEWERT unterhaltungsminuten

No Need To Be Lonesome (mosz, 2004) Die hell knirschenden, rechnergestützten Geräusche, die die ganz angenehm zwischen Postrock und Trip-Lounge chargierenden Tracks umspülen, zeigen ziemlich deutlich auf die erste Hälfte der Nuller-Dekade. Kleine intellektuelle Spielzeugatmosphären, die mich in ihren wie Improvisationen aufgebauten Trackstrecken seltsamerweise an den 70er-Hancock erinnern, aber mit anderem – elektronischem, humorigem, auch mal schleppendem – Ausgang. Bis vor einer Stunde wusste ich noch nicht, wieso dieses Album damals, 2004, meine Nummer 1 der Alben geworden war, aber jetzt so langsam kann ich die Unterhaltungsminuten wieder nachvollziehen, die es mir damals beschert haben muss.

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Lärmpolitik auf Radio StoneFM: Reggae #6: REGGAE INNA BABYLON (Dienstag, 14.04.2020, 20:00-21:00 Uhr)

Am Dienstag, 14. April, möchte ich euch zu einem Besuch nach Babylon einladen. Der Weg dahin ist nicht weit, denn wir sind alle schon da. Babylon ist für die Reggae-Musik ein Synonym für den Lebensstil außerhalb der Rasta-Kultur. Nenn es den Sündenpfuhl oder die schändliche westliche Lebensweise. Auch die Katholische Kirche, ja selbst der Friseur kann ein Handlanger Babylons sein, ist letzterer doch der natürliche Feind der Dreadlocks. Hier in dieser Sendung steht “Reggae inna Babylon” für Reggae-Musik außerhalb Jamaikas bzw. außerhalb der Rasta-Kultur. Wir werden einige Bekannte hören, ein paar Überraschungen werden hoffentlich auch auf euch warten. Ich freu mich auf eure liebevolle Begleitung der Sendung. Klick Dich am Dienstag, 14.4. um 20 Uhr rein in den Radio StoneFM-Stream. Radio StoneFM sendet Di., Do. und teilw. Sa. Wer den Stream auf einem eigenen Player abspielen möchte: Hier steht, wie das geht.

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THE FALL soundverständnis

The Fall – Dragnet (Step-Forward Records, 1979) Dragnet ist vielleicht das sperrigste, mutwillig vermumpfteste Alben, das The Fall je… Aufgenommen in einem Studio, das sonst eher auf Heavy Metal spezialisiert war, und dessen Betreiber natürlich mit der Soundvorgabe von Mark E. Smith nichts anfangen konnten. Das ging soweit, dass das Studio sogar verhindern wollte, das sein Name genannt wird, weil es um seinen Ruf fürchtete. Ich hab keine Ahnung, welche Metal-Bands dort aufgenommen haben, aber „Dragnet“ hat den Zeittest bestanden, weil es eine weise Regel befolgte: Verdreck den Sound, und er wird ewig halten. „Dragnet“ definierte somit den Kern des Soundverständnisses von Mark E. Smith: Geheimnisse lassen, Unverständlichkeiten einbringen – in die Musik, in die Lyrics. Ich glaube, keinem einzigen Fall-Album ist je ein Textblatt beigelegt worden.

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KRAFTWERK am werk

Ehrlich gesagt habe ich die Musik von Kraftwerk nur in Auszügen richtig gut gefunden. Kein einziges ihrer Alben gefällt mir durchgängig. Ich habe vermutlich noch nie eine Platte von ihnen ganz in einem Rutsch durchgehört, sondern immer geskippt, wenn mir die ersten Minuten gerade nicht so gefallen haben (man konnte sich dann leicht ausrechnen, wie es weitergeht). Die Entwicklung ihres Konzepts und ihre optische Präsentation finde ich dagegen sehr gelungen: Die Anlehnung an die Ästhetik der 1920er Jahre in Deutschland, das Einbinden vermeintlich typisch deutscher Eigenschaften und Errungenschaften (Technik, Autobahn, Biergarten, Gefühlshemmung, Robotnik), dazu noch deren Positionierung als Gegenpol zu allem, was klischeehaft für den Rock’n Roll steht, das alles unterfüttert mit einer gewissen Melancholie – ein faszinierendes Konzept. Mit Freude schaue ich mir die Alben an, vollziehe ihre perfekt in Szene(n) gesetzten Wandlungen nach. Von den starr und freundlich schauenden Herren auf „Trans Europa Express”, über die Menschmaschinen mit …

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THE CRUEL SEA harte hunde

Ein dreibeiniger Hund hat starken Symbolwert. Er steht für großen Überlebenswillen in einer ungerechten Welt. Und auch ein wenig Mitleid schwingt beim Betrachter mit. Also genau das richtige Bild für die zähen Burschen von Cruel Sea, bei denen auch Tex Perkins ein ums andere Mal mitmischt. So auch auf „Three Legged Dog“ von 1995. Einer Cruel-Sea-typischen Ansammlung von Surfsongs, Nicht-ganz-so-grimmig-Blues und Angedubbtem. Höhepunkt ist der funky Hardrock-Schlepper „Better Getta Lawyer“, wo Perkins eine offensichtlich selbst erlebte (Drogen?)-Geschichte zum Besten gibt, in dessen Verlauf ihm ein Polizist den 1000mal gehörten Rat gibt: „Better getta lawyer, son, better get a REAL good one!“ Im Booklet zeugt ein Foto von den Vorkommnissen. Latexhandschuhe werden übergezogen, der Verdächtige Perkins wartet auf die Analvisitation. Das Foto sieht echt aus, ist vielleicht auch einfach nur clever inszeniert. Alben von Cruel Sea gehen in Australien Platin, las ich mal. Perkins kam ungeschoren aus der Sache raus.

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