25/09/2020

SWANS laute lautigkeit

SWANS the seer 2012


Michael Gira, Hauptverantwortlicher der
Unternehmung Swans, meinte ja irgendwo, er wünsche jedem nur das
Beste – aber Swans auf „The Seer“ machen nicht den
Anschein, als wäre das Beste gewaltfrei und mit gut gepflegten
Zähnen erreichbar. Man merkt diesem, diesem … WERK! durchaus die
Jahrzehnte an, die Gira und seine Gesellen und Gesellinnen offenbar
dafür benötigt haben.

„The Seer“ hat eine Schwere, an der
es durchaus lustvoll schleppt. In seiner gerade so im Zaum gehaltenen
Aggression ist es sowas wie die moderne Version von Comus, jener
Folk-Band Anfang der 1970er Jahre, die auf ihrem erstem Streich
„First Utternace“ mit expliziten, vermystifizierten Lyrics über
Gewalt einen Gegenpol zur ja ebenfalls mythisch überhöhten
Hippie-Glückseligkeit fand.

Ein Blick fast schon romantischer
Bösartigkeit liegt auf “The Seer”, ausgewalzt mit bis auf die Zähne bewaffnetem Folk und Lärm, der
Zeit hat, viel Zeit. Und Bass hat er, und Perkussion, und Pathos von
unten, von ganz tief unten. Und auch liebliche Stimmen und kleine
Chöre.

Im Zentrum der Dunkelheit trägt das
Böse ein freundliches Lächeln mit Zahnfarbe A6, was ungefähr
derjenigen eines ungepflegten, Rotwein trinkenden, Zigarre rauchenden
101-Jährigen entspricht. Swans sollten die Bayreuther Festspiele
leiten. 

addendum: 
Einziger Negativpunkt: Die Halbstünder werden auf dem Triple-Vinyl
lieblos zerrissen, hören einfach auf und werden auf der nächsten Seite
fortgesetzt. Das nimmt ihnen einiges an Wucht. Zwar ist ein
Download-Code beigefügt, aber trotzdem ärgert mich so ein unsensibles
Vorgehen ziemlich.

3 Gedanken zu “SWANS laute lautigkeit

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