19/09/2020

RON SEXSMITH: ausgänge finden

 

Als in Norddeutschland Aufgewachsener habe ich Romantik nicht erfunden. Daher benötige ich jedes Jahr eine romantische Platte, die mich auftaut und näher ans Wasser führt. Letztes Jahr war es Eleni Mandells „Miracle Of Five“. Dieses Jahr erledigte diesen gefühlvollen Job Ron Sexsmith mit „Exit Strategy Of The Soul“. Sehr guter, auf den ersten Blick eher unromantischer Albumtitel, wie ich finde. Ich mag die Vorstellung, dass der Seele Optionen offen gelassen werden, sie sich also eine Strategie überlegt hat, um den Ausgang zu finden. So bleibt mir die Möglichkeit, mich darüber in Träumereien zu ergehen und der Seele bei ihrer Suche zuzuhören. Deswegen kommt der Titel nämlich in Wirklichkeit hintenrum wieder sehr romantisch um die Ecke. Wie die Musik übrigens auch. Ach so, was ist zu hören? Ein großer kanadischer Songwriter, der mit einer hervorragenden (Southern-)Soul Band Musik spielt, die Paul McCartney seit Jahrzehnten nicht eingefällt, und wenn doch, hätte er sie nicht mit soviel Herzblut umgesetzt. Der erste Song ist übrigens eine sehr gefühlvolle, klassische Einführung namens „Spiritude“, die sehr an die traurige Schönheit einiger Beach Boys Musik erinnert.

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