16/09/2021

FLOATING POINTS, PHAROAH SANDERS & THE LONDON SYMPHONY ORCHESTRA | Promises

Wird ja dieses Jahr ziemlich begeistert aufgenommen. Ich finde es ebenfalls sehr schön, besonders wenn Sanders wunderbar den Sound aufraut und sanft verwirbelt. Aber auch sonst sind feine Stellen da, die im Hintergrund kaum merklich wirken und das Grundmotiv des Pianos vitalisieren. Ich hatte komischerweise die Assoziation zum utopisch/positiven Ansatz von Yes und zu ihren ruhigeren Passagen besonders auf Going For The One – ein Albumtitel, der sich auch ganz gut gemacht hätte neben ein paar Sanders-Arbeiten für Theresa Records in den 1980er Jahren, die Den Einen als Sinnbild für freundlich-utopische Entwürfe hernehmen, gepasst also zu seinem Doppelalbum Journey To The One und dessen Track Think About The One. Die Begriffe Yes und Promises weisen ja auch in die gleiche Richtung einer positiveren Zukunft. Vielleicht leitet sich aus der Sehnsucht in dunklen Zeiten nach einem zukunftsoptimistischen Angebot auch die enthusiastische Rezeption dieses Albums ab, aus dem Bedürfnis nach aufbauenden Nachrichten und Perspektiven.

Zur Musik: Das London Symphony Orchestra hält sich meist sehr zurück, was den Eindruck luxuriöser Verschwendung macht, bis dann das ganze Orchester aus der Vorsicht herausbricht und nachhaltige Akzente setzen darf, die keine Muskelspiele benötigt, sondern immer transparent bleibt – vielleicht ein Effekt der räumlichen Trennung ihrer einzelnen SpielerInnen, vielleicht aber auch ein künstlerischer Ausdruck der Offenheit. Das hat schon was, aber Sanders ist hier derjenige welcher Promises auf eine andere Ebene hebt, mit seiner Fähigkeit, sanft zu spielen, ohne seine Geschichte der kehligen Saxophonschreie zu verleugnen.

Was mich zudem fasziniert: Promises ist ein Album, das ich von vorne bis hinten durchhöre, was ja auch dem Suite-Charakter geschuldet ist – im Prinzip ist das ein einziger 40-Minütiger Track, der relativ willkürlich unterteilt ist in neun Movements. Dieses Gefühl und Bedürfnis, Alben durchzuhören, ist mir tatsächlich im Laufe der Jahre etwas abhanden gekommen. Was mir jetzt wieder bewusst wird. Vielleicht auch das eine der Promises dieses Albums: Sich an lange Konzentrationsstrecken zurückzugewöhnen, in größeren Zusammenhängen zu denken und sich darauf einzulassen, ohne sich währenddessen die eigene Aufmerksamkeit wieder in kleine Häppchen zerlegen zu lassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.