03/12/2020

PUMICE: verkeilter one-man-fuzz

PUMICE: quo
(2008)

Wenn Gitarrensounds an der Oberfläche zerbröseln und ihre sich verändernden, autarken Tonfiguren schmutzig ineinanderstecken, wenn die Drums als Unterhändler versuchen, zwischen den verkeilten Gitarrenspuren zu vermitteln, dann entsteht entweder gequirlte Kacke oder wirbelnde Magie. Höre ich letzteres, erwacht der intellektuelle Rockist in mir. Der erfreut sich nämlich an solch genau durchkomponiertem chaotischem Tun, weswegen er unter anderem die Magic Band so schätzt, was niemandem verborgen bleiben wird, der ihn (also mich) über einen längeren Zeitraum auf Zu-Zeiten liest.

Immer mal wieder schaffen es auch aktuelle Varianten dieser Kompositionskunst, dass ich ihrem höchst spannenden Krachpfad wie ein Esel folgen muss und alles andere, was noch am Wegesrand dubbt, pluckert oder sägt, einfach links liegen lasse.

Und wer das mal wieder seit längerer Zeit geschafft hat, ist ein gewisser Neuseeländer namens Stefan Neville, a.k.a. Pumice.
Pumice steht in der Tradition anderer verbogener Homemade-Musik, wie man sie am Ende der Welt immer noch und immer mal wieder antrifft – ich tippe hier mal „Tall Dwarfs“ hin und jeder kann sich noch vier bis fünf andere Bands oder One-man-Projekte dazu denken (irgendwas von den Kilgour-Brüdern zum Beispiel). Eine raue Mischung aus Fuzzgitarren, Nervelektronik aus dem Kinderparadies, Schlagzeug und Megaphonstimme hat Herr Neville zu einem brüchigen Haufen zusammengespielt. Respektlos und gekonnt aus dem Handgelenk von Punk zu Dunkel-Drönig wechselnd – und das alles von einem einzigen Typen zusammengebracht!

Alles ist auf „Quo“ möglich, und alles was ermöglicht wurde, ist unterhaltsam und kurzweilig. Stefan Neville ist ein Könner seines Homemade-Fachs, was man perfiderweise nicht immer sofort merkt. Wer leistet sich denn noch die Frechheit, einen Track auf halblangsam herunterzulangweilen? Unschuldige Indie-Stimmen werden so dem unheilvollen Gesang betagter Matrosen näher gebracht. In Zeiten der Überfülle im Internet wird das Auslegen von falschen Fährten, das Vermeiden von schneller Überzeugungskraft der Inbegriff totaler Unkommerzialität. Insofern ist Pumice eigentlich unverkäuflich. Die Musik klingt manchmal, als wäre sie nur unter Mühen von einem Gitarrenanfänger zusammengegriffelt worden. Aber wir, die wir mittlerweile „Pumicequo“ (link weiter unten) heruntergeladen haben, wissen es besser: Der Typ ist Herr seiner hässlichen Tonkunst, ein Jäger kopfschüttelnder Zweifler, der kleine, fiese Lo-Fi-Fallen auslegt, in die wir leicht hineintappen können. Also nicht in Sicherheit wiegen, sondern aufmerksam bleiben! Und tatsächlich: Aus dem vermeintlichen Laiengespiele entwickelt sich mit zunehmender Hörrunde ein enorm spannendes Knäuel aus verhalltem Psycho-Fuzz und anderen schmutzig-fiebrigen Schlieren. Momentane Gitarrenplatte meiner Wahl.

Drei Tracks von „QUO“ stehen im Netz als freie Downloads zur Verfügung:

PUMICEQUO (via Stereogum)
FORT (via Stereogum)
PEBBLES (via SoftAbuse)

„Quo“ von Pumice ist als CD über SOFTABUSE zu beziehen (11 Dollar + Shipping). Dort ist auch eine Diskographie zu finden: Pumice hat seit 1994 diverse Tunes auf diversen Formaten veröffentlicht.

Eine VINYL-VERSION (180g) wird von TIPPED BOWLER TAPES vertrieben. Die LP kostet 25 Dollar (inklusive Shipping), was beim derzeitigen Dollarkurs etwa 16,50 Euro entspricht.

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