21/09/2020

NENEH CHERRY & THE THING kinder ausm haus

NENEH CHERRY & THE THING 
the cherry thing 
2012

 
Kein Freund von schnöden Listen oder gar Rangfolgen, fällt es mir
trotzdem leicht, zumindest das folgenreichste Album herauszustellen, das
mir 2012 untergekommen ist: Neneh Cherry & The Thing mit „The Cherry Thing“.
Folgenreich deswegen, weil sich an dessen Mut zu poltern und zu rütteln
ein ganzer Rattenschwanz ähnlicher Musik angeschlossen hat, der mich
durchs letzte Jahr trug und durchs neue Jahr noch trägt.
Neneh Cherry & The Thing
Für mich war die Energie von „The Cherry Thing“ – die im muskulären,
die Schönheit nicht suchenden Jazz verankert ist – wie ein
überraschendes Zeichen, dass die Rückbesinnung auf freien, queren
Jazzlärm als prominent platzierte Zutat von Songs tatsächlich befreiend
wirken kann. Zumal wenn jemand wie Neneh Cherry – die mal vor einiger
Zeit in den Pop-Zirkus hineingeraten ist und dabei sicher kein
schlechtes Geld verdient hat – dann aber auch erst recht so richtig auf
rempelnde Freejazz-Passagen zurückgreift, sobald die Kinder ihr eigenes
Geld verdienen.

So hat „The Cherry Thing“ dann sogar noch einen Lerneffekt, nimmt es
doch mittels Coverversionen mehr oder weniger bekannter Originale (unter
anderem von Suicide, Stooges, MF Doom, Nenehs Stiefvater Don Cherry) in
eine Rohheit mit, auf die sich sonst womöglich viele Hörer erstmal gar
nicht eingelassen hätten. Man muss sein Heil als in die Jahre
gekommende/r Pop-Sänger/in also doch nicht im klassischen Comeback
suchen, sondern kann auch getrost aufs Publikum pfeifen und sich
sperrigen Kunst zuwenden, ob sie einem jetzt die Miete zahlt oder nicht.
Dafür gebührt Neneh Cherry mein Respekt. Für mich die überraschendste
Wiederkehr des letzten Jahres.

Für die schwedisch-norwegischen Aktionsjazzer The Thing dagegen war
„The Cherry Thing“ eher ein Aufbruch in aufgeräumtere Gefilde, was ihnen
aber auch mal ganz gut getan hat. Sonst pflegt die Band – und darin
ganz besonders der Saxophonist Mats Gustafsson – auf ähnlich hohem
Energielevel eher noch freier und pressiger zu klingen. Das konnte ich
dann sehr anschaulich auf den früheren Zusammenarbeiten von The Thing
mit Jim O’Rourke und Otomo Yoshihide hören.

Dream Baby Dream

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