22/06/2021

DÄLEK hiphop’s entzündetes nierenkanälchen

[ABSENCE] | 2004 |

So wie Lee Perry in der Spätphase der Black Ark – vor deren rätselhaften Zerstörung – Reggae weit hinter sich ließ, so lassen Dälek auf Absence Hip Hop weit hinter sich. Geschwindigkeit spielt keine Rolle mehr, Abwechslung spielt keine Rolle mehr, Track spielt keine Rolle mehr. HipHop, aufgebaut wie ein Organismus: Jede Zelle ist wichtig, und mit ihr jeder Frame. Alle Zellen enthalten die gleiche Anzahl an Informationen, trotzdem sind sie unterschiedlich ausdifferenziert – sie spezialisieren sich in Stress-Zellen, Klopf-Zellen, Silbenausstoß-Zellen. Zellkonglomerate bilden erste Organe (noch) unbekannter Funktion. Ein Sound ohnegleichen, orientiert an Drones und dem Grundrauschen der Blutbahnen des Körperkreislaufs, mit speziellen Mikrophonen zum Ohren zuhalten verstärkt. Manchmal sticht der Sound auch wie ein unter Druck stehendes Nierenkanälchen, das am Herauspressen des Primärharns gehindert wird.

Dann wieder kreischt es, wie nicht enden wollende Abrasionsgeräusche metallverarbeitender Maschinen, von Menschen bedient, die sich keine Krankenversicherung leisten können. Konsequenterweise klingt das Schichten industrieller Fertigungsgeräusche wie der Aufschrei tausender gequälter Seelen.

Am Ende, wenn man durch die sprachlosen Schreie der Maschinen durch ist, zerwalkt und verklopft vom druckgepressten Beat, dann wartet auf dem vorletzten Stück „Ever Somber“ der Urahn von Absence: Es ist die Orgel von Velvet Undergrounds Sister Ray, die Tasten mit Hochleistungsklebeband in den ewigen Anschlag gezwungen. Fantastisches Werk, das dort, wo es weh tun sollte, am meisten Spaß macht. (lärmpolitik inna masochistic mood?)

Unvorstellbar, dass nur zwei Organismen dieses Monster erschaffen haben könnten. Daher erwähne ich sie alle hier noch einmal, denn ich vermute stark, dass Absence nicht Absence geworden wäre, hätte man auch nur eine einzige Einzelheit des tonalen Zellverbands verändert:

Alap Momin + Will Books: Engineers
Alap Momin + Jesse Cannon + Josahua Booth: Mixing Engineers
Alan Douches: Mastering
Dälek + Oktopus + Joshua Booth: Writer + Producer
Still: All cuts
Oddateee: Background Vocals on “Culture for Dollars”
Dälek: MC
Still: Turntablist

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