11/08/2020

Trout Mask Replica: Magic Band in magic garden


The first time I heard Trout Mask, when I was 15 years old, I thought it was the worst thing I’d ever heard. I said to myself, they’re not even trying! It was just a sloppy cacophony. Then I listened to it a couple more times, because I couldn’t believe Frank Zappa could do this for me – and because a double album cost a lot of money. About the third time, I realised they were doing it on purpose: they meant it to sound exactly this way. About the sixth or seventh time, it clicked in, and I thought it was the greatest album I’d ever heard. I played Trout Mask for my blues-loving friends, who all went to the same reaction I had and we’d sit around saying; Wow, if this is how great pop music is in 1969, just think what it’ll be like in 1984! Of course we didn’t realise this was the best rock album of 1984… and it remains the best rock album I’ve ever heard. Matt Groening, creator of The Simpsons. Trout Mask Replica ist das schönste und das schlimmste Album zeitgenössischer Musik, das ich kenne. Ein totales, konzeptionelles, hart erarbeitetes, in seiner Konsequenz filterloses und freies Kunstprodukt, geerdet im Fokus auf die Verstümmelten und Fettleibigen, die Armen, die Hässlichen, die Heimatlosen und die Shanghaiten; auf die armen Fürze, Hobos und Massengemordeten; auf die Macht uralter Religionen im Schein des Mondes von Vermont, auf die Gleichzeitigkeit von Mensch und Tier und auf das Denken gelebter und noch lebender Kreaturen ausserhalb unseres Wahrnehmungsvermögens; auf Spoken Word, Low-Fi und Field Recording; auf Ornette Coleman und Howlin Wolf; auf die literarisierten Denkabfolgen eines Tintenfisches und den prozessualen Groove des klockenden Geräusches auf dem Cassettenband beim An- und Ausschalten der Aufnahmetaste. Die Aufnahme von „The Blimp“ hat sich Beefheart wirklich am Telefon ausgedacht (ein anderer Telefonsänger, Mark E. Smith, kaufte als Jugendlicher „Trout Mask Replica“, weil er wissen wollte, welche Musik hinter so einem Cover steckt). „Ella Guru“ ist ein versteckter Top Ten Hit. Das habe ich allerdings erst kapiert, als ich die (fast) 1:1-Kopie von XTC hörte. Außerdem enthält es zwischendrin einen kleinen Dialog, der die Musik auf Trout Mask knapp charakterisiert: The Mascara Snake: „Ha ha right right/ Just dig it“, daraufhin Beefheart: „That’s right ‚The Mascara Snake’/ Fast ‘n bulbous/ Tight also“. „Pachuco Cadaver“ hat eine der interessantesten Songeröffnungen, die ich kenne: Eine virtuos verdrechselte, frei klingende Ensemblearbeit der Magic Band, in die Beefheart irgendwann eingleitet, als sich der Song plötzlich um die eigene Achse dreht: „When she wears her bolero/ then she begin t’ dance/ All the pachucos start withold’n hands“. Später singt Beefheart noch den wundervollen Vers: „She wears her past like a present“. Wenn “Big Joan Sets Up”, denke ich an die überschwere Mutter von Johnny Depp und Leonardo Di Caprio in “Gilbert Grape”. „My Human Gets Me Blues“ ist ein treibender, verquerer Kracher, „Moonlight On Vermont“ der einzige halbwegs straighte Rocker mit gewaltiger Energie. Zwischendurch empfängt der Captain Fans in seinem Garten und fragt sie nach ihrer Meinung zur Musik (Schüchterne Antwort: „Sounds good“. Beefheart: “It’s a bush recording, yeah, it was recorded in the bush”). Und so weiter und sofort. Lacht nicht schützend, wenn ihr Trout Mask das erste Mal hört. Toleriert es nicht. Klappt sowieso nicht (siehe Matt Groening weiter oben; ich habe im Prinzip die gleiche Erfahrung gemacht). Seit wütend und haltet es für den letzten Dreck, bitte.

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